Tödden-Erlebnis-Stationen (POIs)

1. Ackerbürgerhaus „Familie Sweering“, Ibbenbüren

station01Das Fachwerkhaus Bachstraße 10 stammt aus der Zeit um 1750. An der Stelle der heutigen Haustür befand sich ursprünglich ein großes Tor, das auf eine geräumige Diele führte. Der kleine Vorbau auf der linken Seite des Hauses, die sogenannte „Utlucht“, trägt zur malerischen Wirkung der Giebelfront bei. In diesem Haus gründete der Leinenhändler Johann Heinrich Sweering 1818 eine Großhandlung für Leinen. Er kaufte handgewebtes Leinen bei selbständigen Hauswebern auf und beschäftigte auch eigene Lohnweber.

Sein gleichnamiger Sohn erkannte um Mitte des 19. Jahrhunderts die Zeichen des beginnenden Industriezeitalters und gründete 1857 als einer der ersten Fabrikanten im Münsterland eine mechanische Weberei. Sie nahm mit etwa 100 Webstühlen den Betrieb auf. Wenige Jahre später starb der junge Fabrikgründer mit nur 43 Jahren.

Sein Schwiegersohn Clemens Bispinck übernahm 1873 die Firma und baute den Betrieb zu einer Textilfabrik aus, die beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs rund 300 Arbeiter an 500 Webstühlen beschäftigte.

2. Stadtmuseum mit Tödden-Abteilung, Ibbenbüren

station02Das Stadtmuseum ist in einer gründerzeitlichen Villa untergebracht. Sie wurde 1892 vom Zimmermann Julius Hövel für seinen Bruder Bernhard erbaut, der sein Vermögen als Textilhändler in Mecklenburg verdiente. Als Standort für seinen Alterssitz wählte er ein damaliges Neubauviertel auf der grünen Wiese in der Nähe des Bahnhofs – die Breite Straße war bis dahin nur ein unbefestigter Feldweg.

Die Villa Hövel entstand im Zeitgeist des Historismus, der Baustile und Dekorationsformen verschiedener historischer Epochen aufgriff. Das heutige Stadtmuseum zeigt diese Stileinflüsse nicht nur am reich verzierten Außenbau, sondern auch in einer Reihe von originalgetreu erhaltenen Prunkräumen mit aufwendigen Fußbodenbelägen und Wandverkleidungen sowie Möbel und Accessoires.

Einer der Themenräume im Obergeschoss ist den Ibbenbürener Tödden gewidmet. Eine Münsterländer Koffertruhe mit einer Aussteuerbefüllung zeigt die große Bedeutung des Leinens in früheren Zeiten. Aus dem Besitz der traditionsreichen Ibbenbürener Kaufmannsfamilie Mohrmann stammt ein uralter, mit Fell bespannter Reisekoffer, der die Handelsmänner aus dieser Kaufmannsdynastie sicher auf vielen Geschäftsreisen begleitet hat. Auch eine kleine Einführung in die Töddensprache kann man im Museum bekommen.

3. BürgerHaus Veerkamp mit Töddenfigur, Hopsten

station03Der Töddenkaufmann Joseph Wilhelm Veerkamp kam in der Franzosenzeit um 1800 zu großem Reichtum. Der Überlieferung nach war er Anführer einer Schmuggelorganisation, die den französischen Zöllnern immer eine Nasenlänge voraus war. Eigene Schiffe setzten die Schmuggelware bei Nacht und Nebel an den Küsten von Nord- und Ostsee ab und Wanderhändler sorgten für die heimliche Weitergabe an die Kunden.

1808 ließ Veerkamp sich von einem holländischen Architekten ein stattliches Wohnhaus gegenüber der Kirche errichten. Der zweigeschossige Massivbau mit Stilelement des Klassizismus war damals sicher das prächtigste Wohnhaus in Hopsten. Auf dem Schlussstein über der Haustür stehen die Initialen des Bauherren Joseph Wilhelm Veerkamp.

Im Inneren sind das Treppenhaus und die Kaminwand von 1808 noch erhalten. Trotz seiner Schmugglerkarriere wurde Veerkamp unter der französischen Herrschaft zum „Maire“ (Bürgermeister) von Hopsten ernannt. Die Franzosen griffen für solche Ämter gerne auf Kaufleute zurück, weil sie Französisch sprachen und sich im Schriftverkehr auskannten.

Vor dem Haus Veerkamp, das heute als Bürgerhaus der Gemeinde Hopsten genutzt wird, steht das Tödden-Denkmal. Gestaltet wurde es vom Künstler Leo Janischowsky aus Steinfurt. Es zeigt einen Tödden mit seinem Leinenpacken auf Wanderschaft.

4. Historischer Dorfkern mit Töddenhäusern, Hopsten

station04Im früheren Töddendorf Hopsten findet man noch manch altes Kaufmannshaus, dessen vornehmer Baustil den Lebensstil der Tödden zum Ausdruck bringt. Während bei den alten Bauernhäusern der Giebel mit dem großen Dielentor zur Straße zeigt, stehen die Töddenhäuser mit der breiten Traufenseite zur Straße. Eine Haustür und die großen, hohen Sprossenfenster unterstreichen die Wohnfunktion der Kaufmannshäuser.

Das Haus Marktplatz 2 besitzt über der Haustür ein aufwendig geschnitztes Türoberlicht im Rokoko-Stil des 18. Jahrhunderts. Das Dielentor auf der Giebelseite fällt von der Straßenseite aus gar nicht ins Auge. Eine Querdiele mit einem Einfahrtstor zur Straße zeigt das Haus Gustav-Lampe-Straße 3. Der rechte Gebäudeteil mit dem mehrfach vortragenden Fachwerkgiebel stammt noch aus der Zeit um 1780. An der Bunte Straße stehen noch mehrere stilvolle Villen aus dem späten 19. Jahrhundert. Hier richteten sich die Tödden nach ihren vielen Handelsreisen ihre Altersruhesitze ein. Das Fachwerkhaus Bunte Straße 24 war einst eine beliebte Weinschänke der Tödden. Am Herdfeuer in der Gaststube tauschten sie hier bei einem Glas Wein Neuigkeiten und Erinnerungen aus. Manches lukrative Handelsgeschäft wurde in diesem Hause eingefädelt.

5. Hof Holling mit Töddensäule, Hopsten

station05Holling war einer der ältesten und größten Bauernhöfe in Hopsten. Im 19. Jahrhundert heiratete Hermann August Brenninkmeyer aus der C & A-Dynastie die Hoferbin Anna Maria Mathilde Holling. Man nannte diesen Familienzweig „Hopster Brenninkmeyer“. 1963 wurde das alte Bauernhaus von 1787 im Stil eines großen Vierständer-Fachwerkhauses neu erbaut und als Hotel eingerichtet. Heute bildet es den geschmackvollen Mittelpunkt der parkartigen Hofanlage.

Hinter dem Haus steht das frühere Brauhaus. Es stammt aus dem Jahr 1730 und wird heute vom Heimatverein museal genutzt. An der Hofzufahrt befindet sich seit 1956 das vom Bildhauer Karl Lammers als eindrucksvolle Sandsteinstele geschaffene Tödden- und Marien-Denkmal. Die Darstellung des Wanderhändlers symbolisiert die Bedeutung Hopstens als Töddendorf, das Marienrelief steht für die Treue der Bevölkerung zum katholischen Glauben. Auch die Stiftungsinschrift auf der Rückseite bezieht sich auf die lange Tradition des Hopstener Töddenhandels.

6. Haus Nieland, Hopsten

station06Der sagenumwobene Stammsitz der Töddenfamilien Pogge und Veerkamp entstand vermutlich auf dem Gelände eines mittelalterlichen Ministerialensikes, der „Poggeborg“.

Das Landhaus wurde 1734 vom Großkaufmann Hermann Pogge errichtet. Es glich zunächst den bäuerlichen Fachwerkhäusern. Bei späteren Umbauten erhielt das Haus dann sein heutiges Erscheinungsbild. Der „alte Turm“, ein seitlich angebautes Steinhaus, diente vermutlich als Archivraum. Die Erbtochter Henriette Pogge heiratete den vermögenden Kaufmann Josef Wilhelm Veerkamp. So gelangte die Poggeborg an die Töddenfamilie Veerkamp, die in der Zeit um 1800 zu den größten Kaufleuten im Dorf zählte. 1827 geriet das Handelshaus J. W. Veerkamp & Söhne in Konkurs. Der Besitz wurde verkauft und die Familie wanderte nach Übersee aus.

1848 erwarb der Kaufmann Theodor Werner Nieland die Poggeborg. Er richtete ein Manufakturwarengeschäft ein und baute 1849 eine Brennerei. 1912 gründete der Schriftsteller Dr. Josef Winckler, ein Enkel Nielands, sein Schwager Prof. Dr. Wilhelm Vershofen und Jacob Kneip im Haus den „Bund der Werkleute auf Haus Nyland“. Dieser Künstlergruppe schlossen sich weitere Schriftsteller an. Literarisch hat Prof. Vershofen mit seinem Geschichtsroman „Poggeborg – Die Geschichte eines Hauses“ dem Haus Nieland ein Denkmal gesetzt. Der Schriftsteller Josef Winckler beschreibt seine Jugenderlebnisse auf Haus Nieland in dem Band „Pumpernickel – Menschen und Geschichten um Haus Nieland“.

Im Inneren des Hauses sind die alte Verkaufsdiele und die geräumige Wohnküche erhalten. Der „blaue Saal“ birgt eine wertvolle Saloneinrichtung aus dem 19. Jahrhundert. Im Steinturm befindet sich eine kleine Hauskapelle.

7. Segelschiffe auf dem Kreisverkehr, Hopsten

station07Vier große steinerne Segelschiffe markieren seit einigen Jahren den Kreisverkehr auf dem Breischen an der Straße von Rheine nach Hopsten. Sie erinnern an die Töddenkaufleute Johann und Dietrich Teeken, die während einer Handelsreise auf der Zuiderzee in Holland in Seenot gerieten und die Mutter Gottes um Hilfe anflehten. Angesichts ihrer glücklichen Rettung versprachen sie den Bau einer Kapelle für das Annabild auf dem Breischen. Die Segelschiffe symbolisieren die vier Himmelsrichtungen, sie weisen aber zugleich in die Richtung des Wallfahrtsortes St. Anna auf dem Breischen.

Das von Robert Jasper, Ludger Otte und Dr. Werner Üffing entworfene Denkmal verbindet somit Motive aus der Hopstener Geschichte mit einer modernen Platzgestaltung an einer vielbefahrenen Hauptstraße durch das alte Töddenland.

8. St. Anna Kapelle, Hopsten

station08Welche Bewandtnis es mit dem Wallfahrtsbild auf dem Breischen hat, besagt die über der Tür der Kapelle angebrachte lateinische Inschrift: „Im Jahre 1677 ist hier eine Eiche gefällt worden, die das gegenwärtige Bild zum Lobe der hl. Anna hervorgebracht hat, zu deren Ehren 1694 ein Kapellchen erbaut worden ist.“ Die Gebrüder Teeken aus Hopsten waren Anfang der 1690er Jahre auf einer Fahrt über die Zuiderzee in schwere Seenot geraten und errichteten als Dank für ihre wunderbare Rettung der heiligen Anna ein Gebetshäuschen, in dem sie das Bild aufstellten.

Drei Jahre danach spendeten die Kaufleute eine Glocke mit einer Inschrift in niederländischer Sprache: „me fecit cyprianus crans anchusa anno 1731. Deese Glocke is gegeven ter eere gods daor georg teodor gerhart fr. Teeken, fratersen jan hendrick pogge in compagnie abraham toussait coopmann tot amsterdam.“ Stifter waren also niederländische Kaufleute, Glockengießer war Cyprianus Krans aus Enkhuisen aus den Niederlanden.

Auch an der Gründung der Sankt-Annen-Bruderschaft, Organisatorin der jährlichen Annen-Wallfahrt, waren 1755 zahlreiche Töddenkaufleute beteiligt.

Im Jahre 1728 wurde das kleine Bethäuschen zu einer Kapelle erweitert und um 1848 vom Hopstener Pfarrer Freiherr von Kettler, dem späteren Bischof von Mainz, um das Doppelte vergrößert.

Bis auf den heutigen Tag werden der Mutter Anna hier noch manche Sorgen und Nöte anvertraut, denn die Kapelle mit dem Bild der St. Anna auf dem Breischen ist ein offizieller Wallfahrtsort des Bistums Münster und bis heute Ziel zahlreicher Wallfahrer.

9. Töddenhäuser rund um den Marktplatz, Schapen

station09Viele Töddenhäuser in Schapen stehen entlang der alten Handelsstraße von Hopsten nach Lingen. Im Bereich des Marktplatzes errichteten der Kaufmannssohn Johann Heinrich Vaal und seine Frau Clara Taabe um 1820 das Haus der heutigen Gaststätte Rosken. Das Geld für den Neubau hatte er als Kaufmann in Amsterdam verdient.

Das Nachbarhaus Am Markt 3 entstand 1834 als Sitz des Kaufmanns Bernhard Josef Vaalmann.

Das gegenüberliegende Haus Am Markt 5 erbauten 1875 Mitglieder der Töddenfamilie Cromme, deren Stammhof (heute Hof Winterring) sich nördlich der Handelsstraße befindet.

Die Kaufmannstochter Christina Vaal und ihr Ehemann Dr. med. Heinrich Düring bauten sich 1836 das Haus Beestener Straße 5 als Putzbau im klassizistischen Stil. Der geometrisch angelegte Garten mit Buchsbaumeinfassungen ist typisch für Töddenfamilien. Der Hauseingang zeigt die vornehme Wohnkultur der Kaufleute. An das frühere Kaufmannshaus Greve/Cromme, Hopstener Straße 13, erinnert heute nur noch ein alter Sandsteinbrunnen im Garten.

Erbauer des Töddenhauses Kemler, Hopstener Straße 4, waren 1801 der Kaufmann Franz Jacob Kemler und seine Frau Maria Catharina Vaalmann. Es war das erste reine Wohnhaus in Schapen. Im großzügig angelegten Fachwerkhaus Koppelweg 4 mit breiter Gartenfront zur Hopstener Straße wohnte um 1780 der Tödde Jan Gerd Vaalmann, genannt „der Millionär“.

Das Töddenhaus Wullmoor, Im Torschlag 2, errichteten 1819 der Kaufmann und Müller Heinrich Vaalmann und seine Frau Anna Christina Huilmann auf einem ererbten Kotten des Hofes Cromme. Am Brunnen im Garten des Hauses sind ihre Initialen sowie die Buchstaben HW (= Haus Wullmoor) angebracht.

10. Hüberts´sche Handelsschule, Schapen

station10Die Kaufleute legten großen Wert auf eine gute Schulausbildung ihrer Söhne, besonders im Schriftverkehr, im Rechnen und in der Buchhaltung. Geeignete Lehrkräfte waren jedoch nur schwer zu finden. So holte der Kaufmann Jan Heinrich Vaal 1843 den Lehrer Christian Hüberts aus Harderwijk in den Niederlanden zum Privatunterricht für seine Kinder nach Schapen. Er heiratete bald darauf eine Schapener Bauerntochter und richtete im Haus seines Schwiegervaters eine Privatschule ein.

Rasch entwickelte sich diese Schule zu einer weithin bekannten Handelsschule. Neue Schulgebäude und ein Internat wurden errichtet. Schüler kamen aus ganz Deutschland, den Niederlanden, Spanien und sogar den niederländischen Kolonien. 1972 siedelte die Schule aus schulpolitischen Gründen nach Hopsten um und existiert dort bis heute. Die Gebäude in Schapen wurden vom Christophoruswerk in Lingen übernommen und dienen heute als Wohnheim.

11. Töddenmuseum Altes Pfarrhaus, Schapen

station11Das Alte Pfarrhaus, ein Pastorenhaus der reformierten Gemeinde, ist ein wichtiges Baudenkmal der Gemeinde Schapen und dient heute als Bürgerbegegnungshaus. Im Umfeld des alten Fachwerkhauses befinden sich auch ein historisches Brauhaus und eine alte Dorfschmiede.

Im Dachgeschoss hat der Heimatverein Schapen eine Ausstellung über die Geschichte der Wanderkaufleute eingerichtet. Bilder, Dokumente und Exponate berichten aus den Anfängen des Töddenwesens, dem sagenumwobenen Münzschatz von Schapen und den alten Kaufmannsfamilien wie Vaalmann und Cromme, Kemler und Brandlegt, Veerkamp und Taabe, Greve und Vaal.

Die Geschäftsbeziehungen nach Belgien und in die Niederlande werden anhand von Karten und Dokumenten erläutert. Alte Geschäftsunterlagen machen den Alltag der Kaufleute anschaulich und auch der originale Tragkasten eines Wanderhändlers ist hier zu sehen.

12. Töddenhaus Urschen, Beesten

station12Das Töddenhaus Urschen geht in seinen ältesten Bauteilen auf das Jahr 1512 zurück und ist seit 1570 als Sitz der Kaufmannsfamilie Möller, genannt Urschen, nachweisbar. Die Besitzerfamilien führten über mehrere Jahrhunderte diesen Beinamen. Die Herkunft und Bedeutung sind unbekannt.

Die Familie Urschen hatte intensive Handelsbeziehungen nach Groningen in den nördlichen Niederlanden. Sie war verwandt und verschwägert mit anderen Beestener Töddenfamilien wie den Familien Meier, Preun, Weemeyer, Haakmann, Lodtmann und Sand.

Typisch für die Bauweise der Kaufmannshäuser ist der relativ kleine Dielenteil für die Landwirtschaft, dem ein ausgeprägter Wohnteil mit hohen Fenstern gegenübersteht. In der Stube erledigte der Kaufmann seine Schreibarbeiten und die Buchhaltung.

Im 18. Jahrhundert wurde das Haus mehrfach umgebaut. 1792 erhielt die große Küche eine reich dekorierte Herdwand mit den Initialen der Hauserbin Maria Aleid Urschen und ihres Ehemanns Johann Bernhard Sand, der ebenfalls aus einer alten emsländischen Kaufmannsdynastie stammte.

Das äußere Fachwerk des Hauses entstand bei einem weiteren Umbau im Jahr 1813. Die zweigeschossige „Butzenwand“ mit Schrankbetten in der Wand zwischen Stube und Upkammer soll im gleichen Jahr erbaut worden sein.

In den Jahren 2011, 2012 und 2013 erfolgte die Restaurierung des denkmalgeschützten Gebäudes, das jetzt als Gemeindebüro und als Heimathaus dient.

13. Töddenzimmer Haus Pott-Holtmann, Freren

station13Um 1830 errichtete der vermögende Töddengroßhändler Eberhard Pott das stattliche Kaufmannshaus am Markt. Die Familie Pott war seit der Zeit um 1700 im Textilhandel in den Niederlanden tätig. Pott zählte im 18. Jahrhundert zu den reichsten Kaufleuten in der Grafschaft Lingen.

Der Neubau von 1830 war das erste massive und zweigeschossige Privathaus in Freren und ragte aus der damals ansonsten noch sehr ländlichen Bebauung hervor. Die Marktfront mit fünf Fensterachsen, Quaderputz und flachem Dreiecksgiebel ist ein gutes Beispiel für den Baustil des Klassizismus.

Ursprünglich befand sich in der Mitte eine portalartige Haustür. Im Erdgeschoss lagen straßenseitig die Geschäftsräume. Das Obergeschoss beherbergte rückwärtig einen großen Salon, das sogenannte „Töddenzimmer“. Seine Einrichtung aus der Zeit um 1850 mit Mobiliar und Gemälden ist noch vollständig erhalten.

Damals gründete die Familie Pott eine Bettfedernfabrik, deren Produktionsgebäude in der Grulandstraße noch erhalten ist.

In den 1950er Jahren verlor die Fassade des Kaufmannshauses durch den Einbau großer Schaufenster ihren ursprünglich sehr repräsentativen Charakter.

14. Töddenhaus Bahlmann, Recke

Recke Radfahrgruppe vor Töddenhaus Bahlmann lqDie verwinkelten alten Fachwerkhäuser am Markt bildeten einst das Zentrum des Töddendorfes Recke. Das Haus Wieboldstraße 3 wurde 1748 nach einem Brand vom Vogt Limberg neu errichtet. Von ihm ging das Haus an den Kaufmann Claasen über, der es später an die Töddenfamilie Bahlmann verkaufte. Die Balkeninschrift berichtet vom Schicksal des Hauses und vom frommen Geist seiner Bewohner.

Die Torbalkeninschrift von 1820 am Haus Wieboldstraße 4 erinnert an die Töddenfamilien Lünnemann und Brandligt.

Die Gastwirtschaft „Altes Gasthaus Greve“ war ein altes Stammlokal der Tödden und diente in der Franzosenzeit als Sitz des „Maire“ (=Bürgermeisters) Lünnemann. Die Franzosen setzten gerne Kaufleute als Bürgermeister ein, da diese im Schriftverkehr erfahren waren und häufig auch über Kenntnisse in der französischen Sprache verfügten.

1864 übernahm die Familie Greve die Schankwirtschaft mit Herberge, die bald um eine Bäckerei erweitert wurde. Die Sitzungen des Recker Gemeinderates fanden damals in einem kleinen Saal über der Bäckerei statt.

15. Huster-Denkmal am Marktplatz, Recke

station15Vor der Gaststätte Greve steht das Denkmal für den Tödden Benediktus Huster. Die Huster waren eine alte Kaufmannsfamilie und besaßen Beteiligungen an mehreren Handelsgeschäften in Schleswig-Holstein.

Nach 1830 errichtete Franz Clemens Huster in Recke ein ansehnliches Landhaus und widmete sich dort seinen vielseitigen historischen und naturkundlichen Interessen. Der Gemeinde Recke stiftete er ein Armenhaus. Sein Sohn Benediktus Huster erbte das elterliche Anwesen und war Mitinhaber der Firmen Hegge & Co. sowie Terheiden & Co. in Neustadt und Eutin. Seine Brüder August und Gustav besaßen die Firma Gebr. Huster in Hamburg. 1887 zog sich Benediktus Huster aus dem Geschäft zurück und lebte bis zu seinem Tod 1897 in Recke.

Die drei Gebrüder Huster stifteten die Besitzung Huster der Recker Kirchengemeinde zum Bau eines Krankenhauses, heute ein Alten- und Pflegeheim, dessen Name „Haus St. Benedikt“ an den Kaufmann Benediktus Huster erinnert.

16. Töddenhaus Weller an der Hauptstraße, Recke

station16Ein typisches Töddenhaus aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das Haus Weller an der Hauptstraße 24 in Recke. Es wurde 1872 von den Eheleuten Eugen Weller und Amalie, geb. Huster, als repräsentativer Wohnsitz errichtet.

Es folgt nicht mehr dem Bautyp der traditionellen Töddenhäuser aus Fachwerk, sondern ist am Vorbild einer großbürgerlichen Villa orientiert. Die flachen Giebel mit Aufsätzen nach antikem Vorbild lassen dies ebenso erkennen wie die Freitreppe vor dem hohen Sockel. Der Wirtschaftsteil ist deutlich vom Wohnbereich abgesetzt und befindet sich in einem rückwärtigen Anbau.

Das Stammhaus der Kaufmannsfamilie Weller stand in der Recker Bauernschaft Langenacker. Die Gebrüder Weller hatten Geschäfte in Wolvega, Zwolle und Herrenveen. Die Frau des Bauherrn stammte aus der angesehenen Recker Töddenfamilie Huster.

17. Töddenhaus Strübbe an der Hauptstraße, Recke

station17Das Haus Strübbe, Hauptstraße 36, war früher Sitz der ursprünglich wohl aus Mettingen stammenden Töddenfamilie Meyknecht. Sie war schon 1700 im Leinenhandel tätig und handelte im 18. Jahrhundert auch in Preußen.

Das im klassizistischen Baustil errichtete Gebäude wurde um 1880 im Auftrag von Moritz Meyknecht, der ein Geschäft in Amsterdam führte, durch einen niederländischen Architekten umgebaut. Dabei entstand das ungewöhnliche Mansardendach. Zu dem Anwesen gehörten früher auch eine Landwirtschaft sowie eine Bäckerei und Brauerei.

Ein originell gestalteter Hausstein neben dem Treppenaufgang erinnert an die spätere Besitzerfamilie Strübbe.

18. Töddenhaus Nospickel an der Hauptstraße, Recke

station18Das stattliche Wohnhaus des Viehhändlers Nospickel in der Hauptstraße 19 war früher Sitz des Töddenkaufmanns Franz Gerdemann. Er stammte aus einer großen Kaufmannsfamilie in Hopsten und Recke. Mehrere Familienzweige führten gemeinsam die Geschäfte des Handelshauses Gerdemann in Holstein und brachten es dort zur Zeit der französischen Kontinentalsperre unter Napoleon zu Reichtum. Vielleicht rührt daher der Beiname „Olderieke“ für diese Familie.

Franz Gerdemann, Mitinhaber des Geschäftshauses Gebr. Gerdemann in Oldesloe, mit einer Filiale in Schönberg, nahm hier nach dem Ausscheiden aus dem Geschäft seinen Alterssitz.

Die Inschrift eines alten Torbalkens am rechten Nachbarhaus Hauptstraße 21 nennt die Eheleute Alterieke-Gerdemann als Bauherrn des 1714 errichteten Fachwerkhauses. Als Berufsbezeichnung des Ehemanns ist „Handelsmann“, die damals übliche Berufsbezeichnung für die Tödden, angegeben.

19. “Voß up de Burg”, Mettingen

station19Die Villa Voß ist der größte und prächtigste jener Altersruhesitze, die sich ein reicher Kaufmann im 19. Jahrhundert in seinem Heimatort errichten ließ. Die Familie Voß, seit dem 17. Jahrhundert im Leinenhandel in den Niederlanden nachweisbar, bewohnte früher den gegenüberliegenden Schultenhof. Kaufmann Gregor Xaver Voß und seine Frau Auguste Elisabeth entschlossen sich 1880 zum Bau eines neuen Wohnhauses. Am 20. Juli legten die drei Söhne Carl, Silver und Albert den Grundstein.

Der Architekt Josef Kuhlmann entwarf das Haus als anderthalbgeschossige Villa im spätklassizistischen Baustil. Weil das imposante Gebäude auf einer Anhöhe entstand und von einer Sandsteinmauer umgeben war, nannten die Mettinger die Familie nach dem Umzug „Voß up de Burg“.

In den Jahren 1910 und 1925 wurde die Villa mehrmals umgebaut und erweitert. Der malerische Gesamteindruck wurde auf diese Weise unterstützt. 1960 verkaufte die Familie Voß das Anwesen an den Franziskanerorden. Das denkmalgeschützte Gebäude dient seitdem als Konvent der Padres, die das benachbarte Comenius-Kolleg und das Institut für Brasilienkunde der Franziskaner leiten.

20. Tüötten-Museum, Mettingen

station20Das Haus Telsemeyer war einst Sitz der Firma Moormann und ten Brink, die im 18. Jahrhundert zu den reichsten Kaufleuten in Mettingen zählten.

1780 errichteten der Kolonialwarenhändler Johann Conrad Moormann und seine Frau Anna Catharina Elisabeth geb. Diekamp das stattliche Fachwerkhaus. Ihre Initialen erscheinen über dem Bogen des Eingangstores und auf den Steinplatten der Kaminwand in der Eingangsdiele.

Die Wand- und Glasmalereinen in den Fensterscheiben der Gasträume links und rechts berichten aus der Geschichte der Mettinger Tüöttenfamilien. Im gewölbten Eckzimmer wurde 1791 die erste „Kreditgesellschaft“ Mettingens eröffnet und diente einst als feuersicherer Archivraum für wichtige Geschäftsunterlagen.

Drei historische Fachwerkhäuser im Innenhof des Hotels geben Einblick in die Lebensverhältnisse der Tüötten im 18. und 19. Jahrhundert. Der große Dielenraum mit dem offenen Herdfeuer als Zentrum des häuslichen Lebens macht die Alltagswelt der damaligen Landbevölkerung erlebbar und mehrere historische Wohnräume lassen die gediegene Wohnkultur der alten Tüöttenhäuser lebendig werden.

Einige Ausstellungsräume dokumentieren anhand von Urkunden, alten Geschäftsbüchern und Fotos die Geschichte des Tüöttenhandels und der Kaufmannsfamilien. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Textilien, Kleidungsstücke und modische Accessoires. Die Präsentation lebt von der Vielfalt und der liebevollen Gestaltung bis ins Detail.

21. Armenpfahl, Mettingen

station21Armenpfähle standen früher am Straßenrand wichtiger Handelswege und dienten der Sammlung von Geldstücken zur Unterstützung Bedürftiger. Die ausgehöhlte Öffnung im oberen Teil wurde durch einen Eisenbügel mit einem Geldschlitz verschlossen und mit einem dicken Schloss gesichert. Der Stifter konnte somit sicher gehen, dass seine milde Gabe auch die Armen erreichte und nicht Unbefugten in die Hände fiel.

Ein Schriftfeld mit dem auf Jesus bezogenen Sinnspruch: „Gedenket doch meiner Blöße“ sollte die Passanten zu einem kleinen Werk christlicher Nächstenliebe bewegen.

Der Armenpfahl stammt aus der Zeit um 1800 und stand ursprünglich am „Tüöttenweg“ von Bockraden nach Mettingen. Später wurde er als Erinnerungsstück an diese Stelle neben das Ambergener Prozessionshäuschen versetzt.

22. Heimathaus und „Der Brenninckhof“, Mettingen

station22Der erstmals 1462 erwähnte Hof Brenninckmeyer in der Bauerschaft Wiehe ist das Stammhaus der gleichnamigen Töddenfamilie, aus der später der Textilkonzern C&A hervorging.

Der Hoferbe Johann Brenninckmeyer (1635-1691) verzichtete 1671 zugunsten seiner Brüder Jörgen und Hermann auf die Übernahme des elterlichen Bauernhofes, um sich ganz seinen Handelsgeschäften zu widmen. Auf ihn geht die Linie der „C&A Brenninckmeyer“ zurück. 2013 erwarben seine Nachfahren den Stammhof.

Das gegenüberliegende Heimathaus ist eines der drei früheren „Heuerhäuser“ des Hofes Brenninckmeyer. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist das älteste noch bestehende Heuerhaus in Mettingen. Die hier lebenden Landarbeiterfamilien mussten die Miete für Haus und Land mit Geld und Arbeitsleistung bezahlen. Viele Heuerleute fanden ihren Verdienst als Wanderhändler. Sie arbeiteten nicht auf eigene Rechnung, sondern im Auftrag eines Großhändlers, der sie mit Waren oder Kredit versorgte, aber auch den Gewinn abschöpfte.

Die Lebensverhältnisse der Heuerleute waren bescheiden. Das malerische Bild des heutigen Heimathauses lässt leicht vergessen, welche Enge und Armut in den sehr einfach eingerichteten Häusern einst herrschte.

Das Haus wurde ursprünglich als Dielenhaus erbaut. Es war ein Rauchhaus ohne Schornstein. Eine Herdwand mit Rauchfang und Schornstein wurde erst im 19. Jahrhundert nachträglich eingebaut.

1971 wurde das Haus um 12 Meter an seinen heutigen Standort versetzt und dient seitdem als Heimathaus des Heimatvereins Mettingen.